Don’t copy it, be it!
Oft hören wir, dass wir dieMediation in Deutschland von den Amerikanern übernommen haben. Das ist historisch nicht ganz korrekt, weil die Mediation eine darüber hinausgehende Tradition hat, die bis in die Antke zurückgeführt werden kann. Mediation heisst vermitteln. Was vermitteln in der jeweiligen Sprache bedeutet, mag unterschiedlich eingeschätzt werden. Die jeweilige (Streit-)Kultur spielt dabei eine wichtige Rolle. Starke Einflüsse darauf, wie die Mediation im Einzelfall ausgestaltet wird, hat auch die Justiz.
Grundsätzlich ist zwischen den angelsächsischen Systemen und den kontinentalen Systemen zu unterscheiden. Jedes System hat seine Eigenheiten und Besonderheiten. Das Prinzip der Mediation und der Umgang mit ihr ist im Wesentlichen gleich – oder wenigstens vergleichbar. Die Ausgestaltung und Implementierung variiert nicht nur von Kontinent zu Kontinent. Sie ließe sich auch für kleinere Syteme deklinieren.
Es ist spannend, sich die Umgangsweise der verschiedenen Systeme mit der Mediation anzuschauen. Es ist aber auch grundsätzlich davor zu warnen, die Erfahrungen mit der Mediation im Ausland ohne eine weitere Transformation zu kopieren. Dazu ein Beispiel:
Ein Mediator sagte mir kürzlich, die Verwendung des Fragewortes “warum” sei in der Mediation verboten. “Warum” stünde auf der Watchlist. Die Regel kommt aus dem Amerikanischen, wo ein “Warum” die Bedeutung des “why” besitzt und zur Rechtfertigung auffordert. Die Frage “Warum hast Du das gemacht?” ist eine solche inquisitorische Frage. Sie verführt dazu, sich zu rechtfertigen. Das braichen wir sicherlich nicht in der Mediation. Im Deutschen hat das warum aber eine mehrfache Bedeutung. Es zielt auch auf den Nutzen ab. “Warum ist Dir das wichtig?” wäre eine derartige Verwendung des Wortes. Was gibt es dagegen zu einzubringen?
Es gibt weitere Beispiele, die es verbieten, ein Erfolgsmodell im Ausland unreflektiert zu kopieren. Am deutlichsten wird diese These, wenn Sie die Einflüsse aus dem Justizbereich bedenken. Die Justiz ist Ausfluss einer Streitkultur und stets eine Orientierung, wenn es den Menschen um die Frage geht, wie sie miteinander streiten. Im Irak zum Beispiel, wo es kaum kodifiziertes Recht gibt, ist die Einigungskultur wesenstlich ausgeprägter als in der westlichen Welt. In den angelsächsischen Ländern des Case-law ist die Verhandlungsbereitschaft über das Recht höher als in den autoritär geprägten Kulturen, wie in Deutschland oder Österreich. In allen Systemen ist zu beobachten, dass sich die Mediation an das Justizsystem anpasst. Man kann sogar nachvollziehen, wie die Mediation in ein System eingepasst wird. So kommt es, dass wir trotz der Idee, die Mediation könne sich als ein homogenes, internationales Verfahren herausbilden, auf unterschiedlichste Praktiken stoßen, welche die Mediation in einem durchaus unterschiedlichen Licht betrachten lassen. Dazu ein Beispiel:
Manus Leyendecker fühte auf dem Kongress in Piesport aus, dass Mediation in Kalifornien auch bedeuten kann, die Parteien in einen Komüpromiss zu prügeln. Er berichtete von nur 4 gängigen Phasen: der Initialisierung, der Erfassung von Positionen, dem Caucus, und der Vereinbarung.
Die Konsequenz daraus ist, dass wir auch bei internationalen Mediationen zunächst zu klären haben, was wir im Einzelnen unter der Mediation verstehen wollen. Wie das Verfahren abgewickelt wird und welches die Zielvorstellung ist. Dabei sind sprachliche Nyancen zu bedenken. Mediation bedeutet nicht überall dasselbe. Das Wörterbuch bietet zum Beispiel zur Übersetzung an: Vermittlung, Schlichtung, Interpolation aber auch natürlich Mediation. Was also meinen wir genau, wenn wir von Mediation sprechen? In Deutschland bilden sich klare Unterschiede heraus zwischen der Schlichtung und der Mediation. Im englischen Sprachraum geht man – wie die EU Direktive schon zeigt – mit dem Begriff der Mediation weniger scharf um und setzt ihn mit der Schlichtung gleich. Das Gute daran ist, dass die Mediation als ein selbst bestimmtes Verfahren autonomer Bürger nicht davon befreit, sich über dieses Verfahren zu verständigen und zunächst zu vereinbaren, wie und wie weit die private Autonomie in hedem einzelnen Fall reichen soll.
Um die jeweiligen, nationalen Ausprägungen der Mediation zu verstehen, kommt man nicht daranvorbei, sich mit ihren systemischen Bedingungen auseinanderzusetzen. Das Justizsystem ist nur eine solcher Einfluss – vielleicht aber der stärkste. So wird die durchaus gute Nachfrage nach Mediation in den angelsächsichen Ländern dadurch begünstigt, dass die Justiz dort weniger berechenbar (also riskanter) und teurer ist als etwa in Deutschland. Als Nichtbetroffene belächeln wir Fälle der amerikanischen Justiz, die wir etwa wie den Folgenden eher in die Kategorie der Kuriositäten einbeziehen:
Der bekannteste Fall ist wahrscheinlich Stella Liebeck gegen McDonald’s. Die ältere Dame aus New Mexico erhielt 160.000 US-Dollar Schmerzensgeld zugesprochen. Mc Donald’s wurde darüber hinaus zu 480.000 US-Dollar Strafschadensersatz verurteilt, nachdem sich Frau Liebeck am 27. Februar 1992 durch verschütteten Kaffee Verbrühungen dritten Grades zugezogen hatte. Würden Sie bei einem solchen Prozessrisiko nicht auch lieber eine Mediation versuchen?
Übersicht über die Gesetzgebung zur Mediation
Wir tragen auf dieser Webseite Beiträge zusammen, die Sie über die Mediation in anderen Ländern informieren sollen aber auch Hintergründe aufdecken, warum was wo und wie funktioniert – oder eben nicht funktioniert. Eine gute Übersicht bietet “Mediation Act(s)”. Sie war im Rahmen des EU-Projektes EuroNetMed entstanden. Weitere leider auch nicht aktuelle Informationen über die Mediation in den einzelnen Mitgliedstaaten finden Sie auch auf der Web Seite der EU.
Cross border Mediation
Von den unterschiedlichen Ausgestaltungen der Mediation im internationalen oder interkulturellem Kontext zu unterscheiden sind die Fälle der Cross Border Mediation, der grenzüberschreitenden Mediation. Die Besonderheiten dieses Verfahrens werden im Kapitel Cross Border Mediation gesondert beschrieben und auch in dem Projekt EuroNetMed erarbeitet. Hier zeigt es sich, dass die Integrierte Mediation eine ideale methodische Brücke abbildet, um die unterschiedlichen Formen der Mediation unter einen Nenner zu bringen.
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