uhrDie Frage ist insofern herausfordernd, als sie von verschiedenen Faktoren abhängt. Dann kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt sie gestellt wird. Weil der Mediator erst in Phase 2 den genauen Umfang des Gesprächsbedarfs einschätzen kann, ist es vorher fast unmöglich eine Zeitvorstellung zu äußern, die konkreter ist als allgemeine und individuelle Erfahrungssätze. Schließlich hängt die Beantwortung der Frage nach dem Zeitaufwand von verschiedenen Kriterien ab:.

Faktoren, die auf die Dauer der Mediation einwirken:

  • Mediationsmodell
    Eine facilitative oder evaluative Mediation geht schnell. Sie löst aber nur das Problem.
    Richtwert < 3 Stunden. Eine transformative Mediation ist aufwändiger. Sie geht tief in den Konflikt hinein und dauert deshalb länger. Tiefer gehende Gespräche sind erforderlich. Diese Form der Mediation erlaubt die Reparatur von Beziehungen. Richtwert: > 7 Stunden
  • Themen 
    Ein weiterer Einflussfaktor sind die Zahl und Art der gewählten Themen und deren Verhältnis zum zugrunde liegenden Konflikt. Viele Themen und mehrere Konflikte erfordern einen höheren Gesprächsaufwand.
  • Konfliktgestaltung
    Der Mediator wird eine Konfliktlandkarte erstellen, um herauszufinden ob es sich um einen, mehrere oder verschachtelte Konflikte handelt. Dazu ist er erst nach Phase 2 in der Lage. Er wird versuchen, die Konflikte voneinander zu isolieren. Jetzt hängt die Zeitplanung davon ab, wie viele Konflikte schwelen und wie sie mit den Themen interagieren.
  • Sachverhalt / Komplexität
    Sachverhaltsfragen spielen in der Mediation meist keine so große Rolle. Der Blick des Mediators ist nach vorne gerichtet. Trotzdem kann es in Einzelfällen sein, dass etwa bei einer Firmenauseinandersetzung oder einer Scheidung Vermögenspositionen gelistet und einzeln besprochen werden müssen. der Mediator wird darauf achten, dass keine Unklarheiten bestehen bleiben.  Die Komplexität der Sachfragen nimmt deshalb ebenfalls Einfluss auf die Verfahrensdauer.
  • Beteiligtenzahl
    Die Zahl der Beteiligten hat einen wesentlichen Einfluss auf die Dauer der Mediation. Aber auch dieser Wert ist sehr schwer einzuschätzen. Er hängt von der Gesprächsführung und der Gesprächsorganisation ab.  Der Mediator kann diesen Faktor also beeinflussen. Hier spielen also die Methode und die Vorgehensweise des Mediators in die Zeitberechnung ein. Es ist fast unmöglich, diesen Faktor vorzugeben. Hier muss man auf die (Selbst-)Einschätzung des Mediators vertrauen.
  • Eskalation
    Natürlich spielt die Höhe der Eskalation des Konfliktes und die meist darauf zurückzuführende mangelnde Einsichtsfähigkeit der Parteien eine wesentliche Rolle für die Zeitkalkulation.
  • Kompetenz
    Die Kompetenz des Mediators bemisst sich an Methodik und Interventionsmöglichkeiten. Je besser es ihm gelingt, Verstehen zu vermitteln, desto schneller geht die mediation zu Ende.
  • Setting
    Die äußeren Umstände haben auch einen zeitbestimmenden Einfluss. Auch das soziale Umfeld der Parteien und die Außeneinflüsse können beschleunigen oder verzögern.

Je weiter die Mediation fortgeschritten ist, desto besser wird der Mediator die Chancen und somit auch die Dauer des Gesprächs einschätzen können. Es ist kein Problem, die Mediation in mehreren Sitzungen abzuwickeln. manchmal ist das sogar hilfreich, wenn es den Parteien hilft, Gedanken und  Erkenntnisse setzen zu lassen. Ein erfahrener Mediator  kann in einem persönlichen Vorgespräch in etwa und vorsichtig einschätzen,. wie viel Zeit für eine Mediation im Einzelfall aufzuwenden ist.