Vortrag in Leverkusen erfreute sich guter Resonanz

Michael Bork

Leverkusen – Auf Einladung des Arbeitslosenzentrums der Diakonie Leverkusen, in Kooperation mit dem Verein Wechselwirkung Lev, hatte der Verein integrierte Mediation am 24. April 2013 die Möglichkeit, seine Arbeit, seine Philosophie und seine Aktivitäten einer an den Themen sehr interessierten Öffentlichkeit vorzustellen.

Unter der Überschrift „Wohin im Streit?“ stellte Michael Bork, Leiter der Regionalgruppe Leverkusen des Vereins integrierte Mediation, in einer Mischung aus Impuls-Vortrag und Dialog-Workshop das bundesweit einzigartige Pilotprojekt einer Konfliktklärungs-Sprechstunde vor.

Dazu Bork: „Wir verstehen unser Angebot als eine Konfliktbegleitung. Wir helfen den Ratsuchenden, einen Blick von außen auf ihren Konflikt zu bekommen. Eine Metasicht zu ihrem Konflikt einzunehmen. Im Rahmen unserer Tätigkeit zeigen wir Wege auf, die nach unserem Verständnis die zu dem individuellen Konflikt passenden weiteren Schritte darstellen: Klärungssuche in der direkten Konfliktumgebung wie Gespräche mit dem Partner, dem Nachbar, dem Kollegen, dem Arbeitgeber u.a. Oder Interventionen wie Mediation, Coaching, Therapie, Anwalt u.a.“

Um die Art und Weise der Beratung verständlicher zu machen, erläuterte Bork zunächst die unterschiedlichen Verfahren der Konfliktlösung, nämlich den Klageweg (das Gerichtsverfahren), die Schlichtung (der Vergleich) und die Mediation.  In diesem Kontext vertrat Bork die These, dass die seit Jahren zunehmende Überlastung der deutschen Gerichtsbarkeit ein kulturelles Problem ist. Denn, so Bork: „Konfliktlösung in Deutschland wird mit der Anstrengung verbunden, Recht zu bekommen. Die sogenannte Rechtsprechung aber erfolgt im Gerichtssaal. Wir alle wissen: Recht haben und Recht bekommen sind durch die Bank zweierlei Paar Schuhe.“

Um zu verstehen, dass die Anwendung von Gesetzen nicht unbedingt etwas mit der LÖSUNG eines Konfliktes zu tun haben muss, erläuterte Bork den aktiv mitdiskutierenden Gästen, was eigentlich passiert, wenn wir uns in einem Konflikt befinden.

Anmerkung des Autors: Lesen Sie hierzu den Beitrag Pilotprojekt „Konfliktklärungs-Sprechstunde“

Deutlich überrascht und nachhaltig interessiert zeigten sich die Teilnehmer, als Bork anhand praktischer Beispiele erläuterte, dass eine mediative Streitklärung auch dann möglich ist, wenn die Voraussetzungen einer Mediation nicht gegeben sind. Wenn also beispielsweise nur ein Konfliktbeteiligter in dem mediativen Prozess steht und die andere Partei außen vor bleibt. Dies ist unvermeidbar, wenn nicht alle Beteiligten ein gemeinsames Interesse an einer einvernehmlichen Lösung haben. Möglich wird dies, so Bork, weil die integrierte Mediation diesen Vermittlungsprozess sehr ernst nimmt und ihn deshalb erforschte. Als Konsequenz betrachtet sie Mediation nicht nur als ein mechanisches Verfahren. Sie ermöglicht auch eine systemische Sicht, in der die Mediation als ein psychologischer Erkenntnisprozess im Vordergrund steht. Deshalb ermöglicht diese Sichtweise eine veränderte Wahrnehmung des innereigenen und damit auch des äußeren Konfliktes.

Die integrierte Mediation ist – so betrachtet – nicht nur eine Alternative zu sonst anhängig werdenden Gerichtsverfahren. Sie ist auch eine Option der Konfliktbeilegung und der Konfliktvermeidung, die in allen Lebenslagen nutzbringend eingesetzt werden kann. Mehr noch: Sie wird zu einem Konzept, an dem sich die anderen Verfahren messen lassen. Es ist also weniger so, dass die Mediation in andere Verfahren integriert wird, sondern eher umgekehrt. Das Motto der integrierten Mediation lautet demzufolge: Fit the form to the fuss – Pass die Form des Verfahrens an den Konflikt an und nicht umgekehrt.