Mit der Gründung der Regionalgruppe Leverkusen implementierten wir unter der Überschrift „Wohin im Streit?“ zugleich das Angebot einer kontinuierlichen Konfliktklärungs-Sprechstunde. Wir werden oft gefragt, wie wir den Menschen, die in unsere Sprechstunde kommen, helfen wollen und können.

Wir verstehen unser Angebot als eine Konfliktbegleitung. Wir helfen den Ratsuchenden, einen Blick von außen auf ihren Konflikt zu bekommen. Eine Metasicht zu ihrem Konflikt einzunehmen. Und wir zeigen Wege auf, die nach unserem Verständnis die zu dem individuellen Konflikt passenden weiteren Schritte darstellen: Klärungssuche in der direkten Konfliktumgebung wie Gespräche mit dem Partner, dem Nachbar, dem Kollegen, dem Arbeitgeber u.a. Oder Interventionen wie Mediation, Coaching, Therapie, Anwalt u.a.

Um die Art und Weise unserer Beratung verständlicher zu machen und weil dies hier ein öffentlicher Blog ist, kann es hilfreich sein, nochmals die Termini „Mediation“ und „Integrierte Mediation“ zu differenzieren:

Mediation (lateinisch „Vermittlung“) ist ein strukturiertes freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung eines Konfliktes. Die Konfliktbeteiligten, die Medianten, wollen durch Unterstützung einer dritten „allparteilichen“ Person (dem Mediator) zu einer gemeinsamen Vereinbarung gelangen, die ihren Bedürfnissen und Interessen entspricht. Der Mediator trifft dabei keine eigenen Entscheidungen bezüglich des Konflikts, sondern begleitet die Konfliktbeteiligten durch das Verfahren.

Im Gegensatz zum Schlichter, der eine Lösung vermittelt, vermittelt der Mediator das Verstehen als Grundlage für eine von den Parteien dann selbst mögliche Lösungsfindung. Die integrierte Mediation nimmt diesen Vermittlungsprozess sehr ernst und hat ihn erforscht. Als Konsequenz betrachtet sie Mediation nicht nur als ein mechanisches Verfahren. Sie ermöglicht auch eine systemische Sicht, in der die Mediation als ein psychologischer Erkenntnisprozess im Vordergrund steht. Diese Sichtweise ermöglicht die mediative Streitklärung auch dann, wenn die Voraussetzungen einer Mediation nicht gegeben sind. Die integrierte Mediation ist – so betrachtet – nicht nur eine Alternative zu sonst anhängig werdenden Gerichtsverfahren. Sie ist auch eine Option der Konfliktbeilegung und der Konfliktvermeidung, die in allen Lebenslagen nutzbringend eingesetzt werden kann. Mehr noch: Sie wird zu einem Konzept, an dem sich die anderen Verfahren messen lassen. Es ist also weniger so, dass die Mediation in andere Verfahren integriert wird, sondern eher umgekehrt.

Das Motto der integrierten Mediation lautet demzufolge: Fit the form to the fuss – Pass die Form des Verfahrens an den Konflikt an und nicht umgekehrt.

Im Folgenden sollen die Ziele der integrierten Mediation an einem Beispiel erläutert werden: Ich stehe in einem Konflikt und empfinde diese Situation als ein Problem.

In der darauf folgenden monadischen Phase frage ich mich: Habe ich überhaupt ein Problem? Wenn ja, wie gehe ich damit um? Ich versuche erst mal meinen Konflikt selber zu regeln, recherchiere im Internet, kaufe mir ein Buch und merke: Das alles bringt mich nicht weiter.

Deshalb wende ich mich in der darauf folgenden dyadischen Phase an andere, an Freunde, Bekannte, Kollegen. Und jetzt wird es spannend – denn wir neigen dazu, uns die auszusuchen, die uns bestätigen und Recht geben. Ich wende mich also in meinem Konflikt an einen privaten Berater der mir sagt: „Ja, das darfst Du Dir auch nicht gefallen lassen“. Ich gehe in den meisten Fällen nicht zu jemanden der mir sagt: „Ja siehst Du Deinen Konflikt überhaupt richtig?“ Dadurch erhält der Konflikt bereits einen Trend und besitzt auch schon ein eskalatives Element.

Wenn dann auch der private Berater mir nicht weiterhelfen kann, gehe ich zum Profi. Aber, wie gesagt, es ist schon ein Trend erfolgt, durch meine Wahl des privaten Beraters. Und ich bin oft schon auf der konfrontativen Schiene. Im nächsten Schritt fällt mir dann der Anwalt ein. Nicht zwingend, um etwas durchzusetzen, sondern zunächst mal um beraten zu werden. Der Anwalt löst jetzt den Fall nach seinen Kompetenzen. Er wird also dazu neigen, eine juristische Sicht zu haben. Die juristische Sicht ist eine abstrakte, die auf dem Sachverhalt liegt. Die Ursache des Konfliktes wird in der Vergangenheit gesucht. Die Schuldfrage soll beantwortet werden und der Anwalt wird für mich um mein Recht streiten. Im weiteren Verlauf einer möglichen Klage wird der Konflikt dann an ein Gericht zur Entscheidung in der Sache abgegeben.

Meine Beraterwahl kann passen, muss aber nicht. Es gibt Konflikte, die den Einsatz eines Anwalts zwingend machen. Andere können vor Gericht verhandelt werden, sind aber auch mittels einer Mediation zu klären. Und dann gibt es auch noch die vermeintlich klaren Positionen, die sich aber vor Gericht als nicht lösbar erweisen und mittels einer Schlichtung oder eines Vergleichs beendet werden. Mit allen daraus resultierenden nicht nachhaltigen und unbefriedigenden Kompromissen. Gerade solch juristisch nicht oder nur sehr schwer lösbaren Konflikte aber sind für eine Mediation geradezu prädestiniert.

Hinzu kommt, dass die juristische Methode zum Umgang mit komplexen Lebenssachverhalten zwar hervorragend geeignet ist. Sie reduziert allerdings die Komplexität, indem sie den Fokus auf Sachverhalte und Normen lenkt. Die Mediation hingegen lenkt den Blick in die Zukunft. Sie kann (bei professioneller Ausübung durch einen Sterne Mediator) die gesamte Komplexität mit allen Aspekten und Ebenen erfassen, ohne sie zu reduzieren.

So gilt es beispielsweise auch die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem äußeren und dem inneren Konflikt zu beantworten. Auch ein Anwalt begleitet mich nur auf einem Stück des Weges im Konflikt, nicht auf dem ganzen Weg. Ein Konflikt-Coaching beispielsweise kann aber auch danach nötig sein. Wenn mein innerer Konflikt eine bestimmte Qualität erreicht hat, könnte mir vielleicht auch eine Therapie helfen.

Wie auch immer: Da mir in aller Regel der Blick auf die Metaebene fehlt, erhält die Konfliktklärung alleine nur durch die Auswahl des Beraters einen Trend. Da setzt das Problem an. Was in der ganzen Beratungslandschaft fehlt, ist eine „Beratungsberatung“. Also jemand der mir zu erkennen hilft, ob wirklich alle Aspekte und Möglichkeiten erkannt und ausgeschöpft wurden.

Der Verein integrierte Mediation widmet sich schon seit langem und traditionsgemäß solchen Fragen. In unserer Konfliktklärungs-Sprechstunde sind die Mitglieder der Regionalgruppe in der Rolle eben dieser Konfliktbegleiter. Und da es bislang keine Dienstleistung gibt, die wirklich konzeptionell eine vollständige Konfliktbegleitung von vorne nach hinten vorsieht und somit den Konflikt von der Meta-Ebene aus betrachtet, starten wir mit diesem Angebot einen bundesweit einzigartigen Piloten. Das ist das, was fehlt und das ist auch das, was unverkäuflich ist, denn ich bin ja im Konflikt der Ansicht, ich sei mein eigener Konfliktmanager. Ich halte mich für kompetent, bin es aber nicht, wenn ich keine Metasicht auf den Konflikt habe. Und die habe ich halt meistens nicht.

Da ist nun der Ansatzpunkt unserer Konfliktklärungs-Sprechstunde: Denn bevor ich beispielsweise zum Anwalt gehe, sollte ich wissen, was mit mir und meinem Konflikt passiert. Denn in dem Moment habe ich mich ja schon entschieden.

Dies ist unsere Arbeit vor Ort und genau das ist auch Integrierte Mediation: Die Metasicht auf den ganzen Konflikt und all die Prozesse, die mit der Konfliktklärung im Zusammenhang stehen. Und in unserer Art der Konfliktberatung sind wir als Verein Integrierte Mediation derzeit die einzigen, die eine solche Metasicht anbieten.