Integrierte Mediation Griechenland

Eine sensationeller erster Auftritt der Integrierten Mediation in Griechenland bietet sich auf einer Anwaltstagung in Larissa (Zentralgriechenland). Theoharis Angelidis, Rechtsanwalt, Mediator und Repräsentant der Integrierten Mediation Griechenland hat Überzeugungsarbeit geleistet. Die Anwaltskammer wurde neugierig und hat das Thema Integrierte Mediation auf die Tagesordnung gesetzt.

Konkret geht es um zwei Themen, zu denen die Integrierte Mediation beitragen kann. Das eine Thema ist  die neulich in Griechenland eingeführte Pflichtmediation für bestimmte rechtliche Streitfälle. Nach Auffassung der Integrierten Mediation ist der Zwang zur Mediation kein technisches Hindernis. Einem versierten Mediator wird es gelingen, den Zwang in eine Mediationsbereitschaft zu überführen. Allerdings passt die Verpflichtung nicht zum Charakter der Mediation als ein freiwilliges Verfahren. Ein Verfahren, das vorgibt zu verstehen, mit Interessen, Bedürfnissen und Motiven umzugehen, sollte in der Lage sein, auch die Nachfrage nach sich selbst eher an den Motiven und Bedürfnissen der Parteien als am Zwang auszurichten. Das Bedürfnis der Parteien ist es ganz sicher nicht, der Justiz Kosten zu sparen. Das Bedürfnis der Parteien orientiert sich am Konflikt und am Nutzen, den das Verfahren für die Konfliktbeilegung einbringt. Dieser Nutzen wird nicht immer korrekt herausgearbeitet. Der Slogan “Besser, billiger und schneller” beispielsweise, stellt den eigenständigen Nutzen der Mediation für die Parteien nicht heraus. Ein Slogan “Umfassender und befriedigender”, käme den Bedarfen schon näher. Leider findet sich die Befriedigung nicht zwingend in der Vernunft wieder. Erzwingen lässt sie sich aber trotzdem nicht. Ihre Voraussetzung ist eine Einsicht über den zu erzielenden Nutzen und die Vorstellung, dass und wie er zu erzielen ist. Insoweit hilft eine korrekte Aufklärung über Mediation sicher mehr als Zwang.

Damit kommen wir zum zweiten Beitrag. Er trägt den Titel “Integrierte Mediation”. Sie verschiebt den Einsatzpunkt mediativen Handelns und setzt schon an, bevor die Parteien in der Mediation erscheinen und nach ihrer Freiwilligkeit gefragt werden. Sie erwartet von allen Dienstleistern oder von den Behörden und dem Gericht ein Clearing, in dem sich die Sachbearbeiter mit dem Konflikt der Parteien und den Möglichkeiten seiner Beilegung befassen, um Wege zu finden, wie die maximale Befriedigung zu erzielen ist. Oft sind dabei kulturelle Vorstellungen zu überwinden, wie z.B. die, dass ein Gewinn nur mit Macht und Überlegenheit zu erzielen sei oder dass eine Kooperation nicht geeignet sei, die Konfrontation aufzulösen. Diese Fragen werden zwar auch in einer Mediation angesprochen. Es könnte der falsche Zeitpunkt sein, wenn die Wege zur Konfliktbeilegung bereits festgelegt sind. Wie wäre es dann, wenn die Sachbearbeiter nicht nur die Erfahrung, sondern auch die Kompetenz besitzen, diese Fragen (das mediative Denken) schon vor der Entscheidung für oder gegen die Mediation anzusprechen? Wie wäre es, wenn sie die von der Integrierten Mediation entwickelte Migrationsstrategie kennen und die Konfrontation in einer Kooperation auflösen können? Wie wäre es, wenn die Gesellschaft die Weisheit der Mediation zu schätzen weiß und es versteht, den Streit in einen maximalen Nutzen für Alle zu überführen?

Erkenntnis und Einsicht weisen den Weg. Die Mediation als ein Prozess der Erkenntnisgewinnung verstanden sagt, wie er zu gehen ist. Die Integrierte Mediation sagt, wie das auch dann möglich ist, wenn keine Mediation anhängig ist.

Ansprechpartner für die Integrierte Mediation in Griechenland ist:

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By |2018-02-05T15:47:58+01:00February 5th, 2018|Chronik, International, Mediation News (allgemein)|0 Comments

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