Schulmediation

Anne TrossenEine Auseinandersetzung mit der Schulmediation aus der Sicht einer jungen, engagierten Lehramtsanwärterin, die selbst auch Mediatorin ist.

1. Warum ist Schulmediation so wichtig?

Jeden Tag entstehen Konflikte, Streitereien und Missverständnisse in der Schule. Konflikte zwischen Schülern nehmen einen nicht geringen Teil der Unterrichtszeit in Anspruch, um diese zu „klären“. Nur selten können die Interessen der Schülerinnen und Schülern (im Folgenden SuS) hinreichend berücksichtigt werden. Die Lehrer stehen unter permanentem Zeitdruck, der ihnen durch den Lehrplan vorgegeben wird. Auch geraten sie in das Dilemma, dass sie den Unterricht für die nicht betroffenen Schüler unterbrechungsfrei zu gewährleisten haben.

Zu bedenken ist auch, dass es bei der herkömmlichen Art der Konfliktlösung den Lehrern nicht immer möglich war, alle Konfliktparteien in die Lösung einzubeziehen, erst recht nicht, wenn der Konflikt einen Außenbezug hat. Dann ist es eine besondere, kaum zu bewältigende Herausforderung für die Lehrperson, den Konflikt tatsächlich und vor allem „gerecht“ zu lösen. Genau hier sollte die Mediation ansetzen.

Nicht gelöste Konflikte unter Schülern führen häufig zu gewaltvollen Lösungen. Da Mediation nicht nur die Streitschlichtung sondern auch präventiv in Bezug auf den Umgang mit Konfliktsituationen einzugehen vermag, wird die Schulmediation zunehmend auch im Bereich der Sucht- und Gewaltprävention ein Thema.

2. Vorteile einer Mediation/Supervision

Ein Unterschied zu den schon häufig in Schulen eingeführten „Streitschlichtern“ ist, dass die „Schülermediatoren“ nicht ausschließlich für Konfliktlösungen unter SuS verantwortlich sind, sondern auch in den Bereich der Lehrer – Schüler- bzw. Eltern – Schule – Interaktionen einbezogen werden sollten. Durch die Mediation kann Konflikten vorgebeugt werden. Denn anders als bei der Streitschlichtung muss es für eine Mediation nicht schon zum Eklat gekommen sein. Mit der Vermittlung von Grundlagen zur Mediation / Konfliktlösung an alle SuS werden die konstruktiven Verfahren der Konfliktlösung für alle transparent. Sie werden nachvollziehbar und deshalb in den Augen der SuS als weniger willkürlich angesehen als das einfache, herkömmliche Streitschlichten. Durch das Herstellen einer Win-Win Situation erleben die SuS einen positiven Umgang mit Konflikten und vor allem, dass Konflikte auch für Veränderungen sinnvoll sein können. Sie helfen, Stagnation zu überwinden. Schließlich verdeutlichen sie, dass eine Veränderung notwendig ist und die Schüler selbst dazu etwas bewirken und positiv eingreifen können. Die professionelle Konfliktlösung durch die Schülerinnen und Schüler selbst, bietet dann den Vorteil, dass die effektive Unterrichtszeit vergrößert wird. Streitereien können aus dem Unterricht ausgelagert werden und zum Beispiel zur Lösung in Pausen und / oder Freistunden angeboten werden. Es ist durchaus im Blick, dass die Mediation eine Veränderung der Konfliktkultur bewirkt. Denn SuS lernen während ihrer Schulzeit verstärkt durch Gleichaltrige. Die erhöhte Akzeptanz von „Gleichaltrigen“ und die gleichzeitig vermehrten Verständnisebenen sind ein Indikator. Mithin wird die Forderung nach einer allumfassenderen Ausbildung evident. Jeder Schüler hat die Möglichkeit, sich in diesem Feld weiter zu entwickeln und nicht nur die „Streber“, die „Coolen“ oder die „Starken“ zu sein.

Unterrichtsstörungen sind ein großes Feld in der Schule. Sie betreffen nicht nur die Schüler unter sich. Häufig werden sie durch Missverständnisse zwischen Lehrern und Schülern ausgelöst. Die Mediation kann hier zur Problemfindung, -lösung und -vorbeugung beitragen. Die Mediation bietet sogar eine Handhabung in Mobbingfällen. Mobbing ist ein weiteres aktuelles und wichtiges Thema in der Schule. Mobbing findet nicht ausschließlich unter Schülern statt, auch Erwachsene können sich betroffen fühlen. Die Mediation bietet hier Hilfestellungen und hilft die Problematik eindämmen, indem sie nicht nur den Schülern Methoden zum effektiven Umgang und Schutz bereitstellt, sondern auch den Lehrern Strategien zum sinnvollen „Reagieren“ aufzeigt.

3. Lernziele Schulmediation

Die SuS sollen Experten für ihre eigenen Konflikte werden. Dies bedeutet für die SuS eine win-win Situation herzustellen und sowohl die Gefühlsebene als auch die Bedürfnisebene in den Fokus zu stellen. Durch die mediative Art mit Konflikten umzugehen soll den Schülern allgemeine Lebenskompetenz sowie Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden, um sich vor Gewalt und Süchten zu schützen. Die allgemeine Anwendung wird eine positive Veränderung der Konfliktkultur an Schulen bewirken und auf den außerschulischen Bereich ausstrahlen. Geplant ist, dass die LP (Lehrperson) die Schulmediation in der Schule einführt und mit einer Vorbildfunktion auch im schulischen Alltag anwendet. Den Eltern sollen Kurse ermöglicht werden, um eine allumfassende Veränderung der Konfliktkultur an Schulen einzuführen.

4. Projekttage zur Grundausbildung

Um die beschriebenen Lernziele erreichen zu können, muss eine dauerhafte und integrierte Einbettung der Mediation erfolgen. Die Streitschlichterprojekte können dafür weiter ausgebaut werden. Es wird allerdings nicht ausreichen, nur einzelne ausgewählte Schüler auszubilden. Eine funktionierende Schulmediation erhebt den Anspruch, alle Beteiligten von Schule (Eltern, Schüler, Lehrer, Hausmeister, Sekretärin… ) zumindest in den Grundlagen auszubilden. Nur dann stellen sich die gewünschten Effekte, wie zum Beispiel eine veränderte Haltung der SuS her. Die Ausbildung einzelner SuS hat eine Vorbildfunktion. Die Ausbildung aller SuS über neue Methoden der Konfliktlösung ergeben Erfahrungen, welche die SuS auch den Erwachsenen vermitteln. Wenn es gelingt, auch die Eltern in die Ausbildung einzubeziehen, wird ein partnerschaftliches Gefühl zwischen Schule und Eltern erzeugt. Die Schule wird (wieder) als ein Teil des Gemeinwesens begriffen und nach der Einbeziehung aller Betroffenen positiv erweitert. So öffnet sich Schule in diesem Umfeld vermehrt den Alltagswelten der Schüler, wie etwa der Familie. Gleichzeitig interessiert sich die Öffentlichkeit verstärkt für die Schule. SuS und Eltern erhalten neue Einblicke in die Arbeit der Lehrer. Die Motivation und das Interesse an der Schulmediation könnte durch Projekttage ermöglicht werden, die von externen „Profis“ und interessierten Lehrern organisiert und durchgeführt werden. Hier sollten jedoch im Anschluss einige Lehrer anknüpfen und die Lerninhalte vertiefen wie zum Beispiel durch AG´s bzw. Nachmittagsangebote im Ganztagsbereich.

Dieser Beitrag wurde unter Felder der Mediation abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Schulmediation

  1. avatar Komescher sagt:

    Das Wort ‘Schule’ ist die sachliche Umschreibung für endlos viele Menschen, die jeden Tag miteinander zu tun haben.
    Wie oben beschrieben, wo immer Menschen gemeinsam tätig sind, gibt es jede Menge Fehleinschätzungen, Missverständnisse, Ärger und sogar handfesten Streit.
    Hierfür könnten nun viele Gründe aufgelistet werden – genau betrachtet ist es jedoch bei allen Unstimmigkeiten so: es wurde gar nicht, nicht genug oder in der falschen Art und Weise miteinander geredet.
    Schule ist der ideale Ort, um durch geringen Einsatz (=Mediationsausbildung für Beteiligte) bewusst miteinander zu reden und nachhaltig SuS optimal zu fördern.

    Es gibt bisher einige gute Beispiele dafür. Ich wünsche mir – nein, mehr den SuS – dass diese Muster flächendeckend kopiert werden, es wäre so ähnlich wie das junge Unterrichtsfach ‘Glück’ – fächerübergreifend.

    Die gesellschaftspolitische Relevanz von Mediation in/an Schule kann nicht deutlich genug beschrieben werden. Ich stehe für jede Information gern zur Verfügung.

  2. avatar Elli sagt:

    Wieder eine Möglichkeit, um Schule ein klein wenig besser zu machen. Bravo :-)

  3. avatar Alesia Eichelhardt sagt:

    Das spricht aus meinem Lehrerinnenherz

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>