Konzept

Was steckt dahinter?

Ausführungen darüber, warum es diesen Verein gibt und was integrierte Mediation bedeutet finden Sie hier:

Der Versuch einer Positionierung zeigt schon das Problem. Was ist Mediation eigentlich? Ist es ein formales Verfahren als Alternative zum Gericht? Ist es eine Wissenschaft? Ist es eine Philosophie oder gar der Ausdruck einer Kultur? Oder ist es einfach nur die Dienstleistung einer Profession? Gerade vor dem Hintergrund der Diskussionen um das Mediationsgesetz fokussiert sich die Mediation mehr und mehr auf das Bild einer professionellen Dienstleistung. Wir meinen:

Die Mediation ist viel mehr als nur ein Dienstleistungsangebot.

Da steckt viel mehr dahinter. Das sollte nicht aus den Augen verloren gehen. Erst recht nicht, wenn die Mediation als ein Instrument zur Verbesserung der Streitkultur angesehen wird.

Mediation als Verfahren

Die Mediation beschreibt in hervorragender Weise, wie wir mit Konflikten umgehen können und vielleicht auch sollten. Die triadische Brückenfunktion des Mediators ist ein wesentlicher Baustein in ihrem Konzept. Er schlägt sich in dem Prinzip der neutralen und allparteilichen Beteiligung eines Dritten nieder. Nach der gesetzgeberischen Definition muss die Mediation einige formale Kriterien erfüllen. Weil das Verfahren aus der Rolle des Dritten definiert wird, ist die Mediation nur dann möglich, wenn der Dritte diese Anforderungen erfüllt. Sieht man die Mediation jedoch – wie die IM – nicht nur als ein formalisiertes und nach Inkrafttreten des Gesetzes auch institutionalisiertes Verfahren, sondern auch als einen psychologischen Erkenntnisprozess, der die notwendigen Schritte zum Konsens definiert, dann ist sie auch möglich, wenn formale Kriterien nicht oder anders vorliegen. Das ist eine unserer Ausgangshypothesen. IM hat demnach ein differenziertes Bild über die Mediation als Verfahren:

Einmal sehen wir die Mediation natürlich – wie definiert – als ein formalisiertes Verfahren. Wenn man sich mit den strategischen Hintergründen befasst, erkennt man schnell, das das so definierte Verfahren eine Simplifizierung darstellt, wo die Mediation sicher möglich ist.

Es gibt aber noch einen anderen Verfahrensaspekt. Dann nämlich, wenn man die Mediation als ein informelles Verfahrenskonzept begreift, das sehr viele Schnittstellen zu den formalen Verfahren aufweist. So gesehen dient die Mediation als eine Art Metaverfahren, das ein übergeordnetes Konzept zur Vorgehensweise bei Konflikten anbietet und auch dann Wege in die Kooperation eröffnet, wenn sie in dem zugrunde liegenden Verfahren nicht nahe liegend erscheinen.

Weil diese Kombination dem Grundsatz folgt, dass das Ganze mehr ist als die Summe der Einzelelemente, bedurfte es einer typisisrenden Beschreibung dieses hybriden Verfahrens. Hier bot und bietet sich der wissenschaftlich bereits eingeführte Begriff der integrierten Mediation an.

Oft wird angenommen, die integrierte Mediation bedeute die Verwendung mediativer Techniken in einem anderen Setting. Das ist so nicht zutreffend.

Integrierte Mediation bedeutet die Ausrichtung der anderen Verfahren an dem Konzept der Mediation und eher deren Integratation in die Mediation als umgekehrt.

Medition als Wissenschaft

Die Mediation ist interdisziplinär. Der Vorteil dieser Interdisziplinarität zeigt sich an den Konflikttheorien. Es gibt viele davon, alle sind jeweils aus der Perspektive der Ursprungsdisziplin beschrieben. Also haben wir Konflikttheorien der Psychologen, der Soziologen, der Philosophen, der Juristen usw. Die Mediation muss sich mit all diesen Theorien auseinandersetzen. Weil ihre Sicht aber ausschließlich auf die Fragen der Konfliktbewältigung fokussiert ist, hat sie die Kompetenz, beispielsweise die Theorien in eine einheitliche Konflikttheorie zu überführen. Das setzt die wissenschaftliche Befassung mit Konflikten unter dem Aspekt ihrer fachübergreifenden Bewältigung voraus. Es wäre schade, wenn sich dieses Wissen nur auf die Anwendungen von Methoden und Techniken in einem formalisierten Verfahren beschränkt. Die Erkenntnisse helfen auch in anderen Umgebungen sehr gut weiter. Schon aus diesem Grund muss die wissenschaftliche Befassung mit der Mediation vorangetrieben werden. Die Mediation sollte sich über ihr Selbstverständnis als eines von vielen Verfahren hinaus zu einer eigenen Konfliktwissenschaft entwickeln, die sich auch mit anderen Verfahren auseinandersetzt (auseinandersetzen kann).

Mediation als Methode

Mitunter wird die Mediation als Methode bezeichnet. Sie ist jedoch keine Methode, sondern ein Verfahren, das sich der Methodik bedient. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dieses Verfahren auch in anderen Settings möglich ist, als diejenigen, die das Gesetz als Mediation bezeichnet. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass lediglich die Anwendungen von Techniken in anderen Settings nicht ausreicht, um zu einem konsensualen Ergebnis zu kommen (Beispiel und Quellen: Evaluation des JustizprojektesWege zur Kooperation, Der zivilgerichtliche Vergleich). Auch deshalb bietet es sich an, nicht von der Anwendung mediativer Techniken in einem anderen Verfahren zu sprechen, sondern von einer integrierten Mediation.

Mediation als Denkweise

Wird die Mediation als ein Metaverfahren verstanden, ergeben sich aus ihr andere Denkansätze und Handlungsoptionen für eine konstruktive Konfliktlösung. Uns geht es also darum, das Denken im Positivsummenspiel zu fördern und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Mediation im Grunde überall möglich ist. Ganz nach dem Motto:

Versuchen Sie doch mal das Gerichtsverfahren, wenn es nicht das gewünschte Ergebnis bringt – macht nichts! Sie können ja immer noch eine Mediation durchführen!

Diese Logik passt übrigens in die Konfliktevolution von Schwarz. Dort ist der Konsens nach der Delegation (etwa an ein Gerichtsverfahren) angesiedelt – und zwar aus gutem Grund.

Was bedeutet das nun alles für die IM?

Für die IM ergibt sich aus den vorangestellten Beobachtungen und Überlegungen ein stimmiges Handlungskonzept.

  • Wir unterstützen, fördern und verfolgen die wissenschaftliche Befassung mit der Mediation und sehen in ihr das Potenzial für eigenständige, neue Wissenschaft.
  • Wir wissen um die Bedeutung der Denkweisen und Strategien bei der Konfliktbeilegung. Während die Verfahren wie gegeneinander abgegrenzte Einheiten in einem komplexen, die Grenzen der Verfahren jeweils überschreitenden Prozess erscheinen, wirkt der Parkours durch diese Verfahren wie Salamitaktik. Die IM erkennt ein Gesamtkonzept, in dem sich alle Verfahren wiederfinden lassen. Wir sehen das Gesamtkonzept in der Chance der kooperativen Konfliktlösung. Dies setzt die Erfahrung und das Denken voraus, dass ein kooperatives Vorgehen überhaupt möglich ist. Die IM befasst sich deshalb mit den Hintergründen des Denkens und der Haltung im Konflikt und den Wirkfaktoren bei deren Lösung auch über die Grenzen des formalen Verfahrens der Mediation hinaus.
  • Zur Beantwortung der Frage wie man von der Kooperation zur Konfrontation und von der Konfrontation zur Kooperation gelangen kann, hat die IM eine eigene Migrationsstrategie entwickelt. Bei ihr werden die Grenzen des Verfahrens überwunden und das gemeinsame Ziel aller – nämlich eine befriedigende Konfliktlösung zu sehen – eben als ein gemeinsames Ziel in den Vordergrund gestellt. Uns kommt es nun darauf an, die Erfahrungen wissenschaftlich zu untermauern.
  • Der Begriff der integrierten Mediation ist scheinbar sehr assoziativ. Es passiert deshalb, dass aneder ohne Kenntnis dessen, was IM überhaupt bedeutet und erreichen will, glauben, dassintegrioerte Mediation eben nur die Anwendung von Techniken in einem anderen Verfahren meint. Das ist bei Weitem nicht zutreffend. Das Gegenteil ist der Fall. Um diesen Gedanken zu penetrieren, sind wir unerlässlich dabei, die Ideen und Hintergründe des Umgangs mit Konflikten aufzudecken und zu penetrieren.
  • Man will die Mediation als ein Instrument der verbesserung der Streitkultur verstehen. Das Angebot einer Dienstleistung verbessert aber keine Kultur. Das Denken verändert Kultur. Ein Grund mehr, die Idee der inetrgierten Mediation zu penetrieren.
  • Wir nehmen die Kritik – traditionell – sehr ernst und setzen uns ständig damit auseinander, was man für möglich oder unmöglich hält. Daraus heben sich vertiefte Einblicke in die Mediation als Verfahren ergeben und Erklärungsansätze, die selbst versierten und erfahrenen Mediatoren oft die Rückmeldung entlocken: “Jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen!”.

Fazit

Die integrierte Mediation vertieft die Erkenntnisse der Mediation aus einer Perspektive, die sich selbst in Frage stellen kann und die über den Dienstleistungsaspekt der Mediation hinaus geht. Genau das ist einer der Gründe, warum wir uns als ein wichtiges Korrektiv in der Mediatiorenlandschaft begreifen und warum es sinnvoll ist, unsere Arbeit zu unterstützen.

 

 

 

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