Krisendiplomatie: Keine Vermittlung

07.04.2014 · Berlin und der Westen dürfen in der Ukraine-Krise nicht einmal in Andeutungen so tun, als wolle man als Vermittler zwischen zwei streitenden Parteien auftreten”. So beginnt ein Faz Kommentar. Was liest ein (in-) Mediator aus dem Beitrag?

Der FAZ-Beitrag

Mediator: Ist das so? Sind da nur zwei streitende Parteien? Wer streitet denn eigentlich mit wem und worüber. Sind Berlin und der Westen nicht selbst auch Partei? Können sie eine unparteiische Rolle einnehmen? Was sollte zwischen wem vermittelt werden? Wenn es eine Mediation sein soll ginge es um eine Verstehensvermittlung.

Es gibt einen Aggressor. Und ein Opfer.

Mediator: Nur einen? Aus welcher Sicht beurteilt sich das?

Es ist ein sinnloses diplomatisches Ritual, wenn Außenminister Steinmeier nun wieder auf Gespräche zwischen der Ukraine und Russland dringt.

Mediator: Es drückt auch aus wie sich Parteien positionieren, wer wen vertritt oder nicht und wer welche Verantwortung trägt aus der Sicht des Sprechers.

Erstens will der Kreml nicht mit Kiew reden, das hat Präsident Putin selbst unmissverständlich deutlich gemacht. Zweitens: Worüber soll gesprochen werden?

Mediator: Gute Frage

Moskau übermittelt der Ukraine (und dem Westen) auch ohne Gespräche Botschaften, und über die kann man nicht diskutieren.

Mediator: Heisst, Moskau hat eine Position. Welche ist das genau? Anders formuliert: welche Botschaften werden sprachlos vermittelt?

Die russische Führung setzt offenbar alles daran, in der Ukraine ein Klima zu schaffen, in dem die Präsidentenwahl am 25. Mai nicht oder nur unter Umständen stattfinden kann, die nicht als regulär bezeichnet werden können.

Mediator: “Offenbar” deutet eine Vermutung an. Welche Fakten liegen zugrunde?

Es gibt nämlich keinen auch nur einigermaßen aussichtsreichen Kandidaten, der dem Kreml genehm ist – da hört für Moskau das Selbstbestimmungsrecht der Völker auf.

Mediator: Das bedeutet, die Richtigkeit einmal unterstellt, dass Moskau Interessen verfolgt, die mit der Figur des Präsidenten im Zusammenhang stehen. Er soll dem Kreml genehm sein; genehm wofür? Was hat Moskau davon, wenn ein genehmer Präsident eingesetzt wird? Vielleicht sollte man darüber verhandeln?

In dieser Lage dürfen Berlin oder der Westen nicht einmal in Andeutungen so tun, als wolle man als Vermittler zwischen zwei streitenden Parteien auftreten.

Mediator: Warum nicht? Weil sie nicht wollen oder weil das was sie tun keine vermittlung ist oder weil eine vermittlung keinen Sinn macht?

Es gibt einen Aggressor, und man muss dem Opfer helfen, ihm entgegenzutreten.

Mediator: Was will das so genannte Opfer eigentlich erreichen, was sind die Interessen der Ukraine?

Über die Informationspolitik

Was will uns der Autor, Reinhard Veser, mit seinem Artikel sagen? Vermittlung lohnt nicht? Man muss Partei ergreifen für eine Seite? Man muss die Konfrontation aushalten und erlauben? Ein Mediator denkt da natürlich ganz anders und ein integrierter Meiator erst recht.

By | 2014-12-27T22:00:39+00:00 April 9th, 2014|Beitrag, Mediation News (allgemein), Open Eyes|1 Comment

About the Author:

Mediator***
Studium der Psychologie (Vordiplom) und Jura (2. Staatsexamen). ehem. Wirtschaftsstaatsanwalt und Richter, heute international beratend und lehrend tätig als Streit- (Verstehens-)vermittler, Dozent und Autor (zB “Mediation (un)geregelt”).

One Comment

  1. Wolfgang Reich 19/05/2014 at 11:40

    Der Artikel ist spannend. Zumal die Phasen immer wieder wechseln. Der Mediator spricht immer von Interessen, also Phase 3, während sich der Gesprächspartner m.E. in Phase 2, öfters auch in Phase 1 befindet. Es wird zurecht die Frage nach zugrundeliegenden Fakten gestellt. Meiner Meinung nach gibt es außer der Tatsache, dass Streit besteht überhaupt keine bekannten Fakten. Im Ergebnis werden gemäss den Pressemitteilunge immer wieder Meinungen zu Fakten gemacht.
    Ob Deutschland sich positioniert hat kann ich nicht abschließend sagen, der Eindruck drängt sich aber auf.
    Wenn eine Vermittlerrolle eingenommen werden soll, muss dieser Eindruck (soweit dieser bei den Konfkliktpartnern auch so wahrgenommen wird) angesprochen und zunächst geklärt werden.
    Eine Mediation macht auf jeden Fall Sinn, da zuweilen der Eindruck entsteht, dass über die wirklichen Interessen der streitenden Beteiligten niemand wirklich etwas weiß.
    Dies führt daher zu Eskalation, aus der es aber immer noch Auswege gibt.
    Wer soll vermitteln, wer wird als neutral und allparteilich angesehen? Wie kann in einem solchen Konklikt überhaupt vertraulichkeit und der verstehensbasierte Ansatz praktiziert werden? Alles spanndende Fragen…
    Ganz klar ein Fall für die IM.

    Grüße
    Wolfgang

Leave A Comment