Procedure

Die Mediation als Verfahren

Die Mediation ist als ein Verfahren definiert, weil es eines interaktiven, zeitlich dimensionierten Prozesses bedarf, der die Parteien vom konfrontativen Streit zur kooperativen Lösung begleitet. Die Mediation offeriert sich nun als ein weiteres Verfahren der Streitbeilegung, das sich von den anderen Verfahren der Konfliktbeilegung deutlich abgrenzt (siehe Disposition) .

Die Verfahrenstypen

Mit dem Versuch, die Mediation gesetzlich zu regulieren, wurde die Sicht auf das Verfahren mehr und mehr juristisch ausgeprägt. Diese Ausprägung ist eine Notwendigkeit, wenn die Mediation als Alternative zum Gericht gelten soll. Der juristische Blick sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mediation auch als ein Verfahren im psychologischen Sinn verstanden werden kann. Was das bedeutet, soll im Kapitel “Kognition” beschrieben werden.

Kombinationen

Keines der Verfahren ist allumfassend und omnipotent, auch wenn die Betreiber dies gerne so sehen. Die Mediation z.B. beinhaltet keine Beratung. Das Gerichtsverfahren reduziert die Komplexität auf Sach- und Rechtsfragen usw. Um eine vollständige Konfliktbegleitung anzubieten, bedarf es stets der Kombination von Dienstleistungen und Verfahren. Die formale Abgrenzung der Verfahren erlaubt es, sie miteinander zu verschachteln und zu kombinieren. Um den Bedürfnissen der Parteien nach einer möglichst ganzheitlichen Beilegung des Streites besser gerecht zu werden, gibt es alle denkbaren Mischformen und Kombinationen von Verfahren. Wie die Mediation im oder am Gerichtsverfahren zur Verfügung steht, zeigen die folgenden Modelle:

  • Mediation (reine Mediation)
  • Gerichtsbasierte Mediation
    • gerichtsnahe Mediation
    • gerichtsinterne Mediation (jetzt Güterichter)

Bei allen Verfahren handelt es sich um eine isoliert durchgefürhrte reine Mediation.

Strategische Aspekte

Dass die Mediation ein von anderen Verfahren abgegrenztes Verfahren ist, hat in erster Linie strategische Gründe. Die Mediation erfordert eine Kooperation der Parteien. Die Kooperation ist die einzige, zum Positivsummenspiel der Mediation passende Strategie.

Strategisch betrachtet sind die Kooperation und die Konfrontation keine echten Alternativen. Es sind Strategien, die sich gegenseitig ausschließen. Eine Kooperation ist innerhalb einer Konfrontation nicht möglich – außer, sie wird ihr gegenüber abgegrenzt. Die Abgrenzung bewirkt, dass die Kooperation innerhalb der Konfrontation zu einer strategischen Enklave ausgebildet wird.

IM-Enklave-2

Die Kooperation wird möglich, indem das Spiel im Sinne der Spieltheorie gewechselt (eingeschoben) wird. Damit sind die strategischen Voraussetzungen gegeben, die Mediation auch innerhalb eines streitigen, konfrontativen Verfahrens  (zumindest auf den ersten Blick) zu ermöglichen.

Das Metaverfahren

In der Praxis sind die Übergänge fließend. Um die für die Parteien günstige Mediation nicht an formalen Hürden scheitern zu lassen bietet sich deshalb eine andere Form der Verfahrenskombination an. Sie wird von der Integrierten Mediation beschrieben. Die Integrierte Mediation hat erforscht, dass der Strategiewechsel auch auf anderem Wege möglich ist. Sie hat eine Migrationsstrageie beschrieben. Die Mediation ist damit nicht mehr die Enklave, sondern das strategische Ziel.

IM-Enklave-1

Die integrierte Mediation erlaubt die Verknüpfung, besser gesagt: die Überlappung der Verfahren indem diese in ein anderes Verhältnis gesetzt werden. Die Mediation erscheint jetzt nicht nur als ein Verfahren im Nebeneinander. Sie kann auch überlappen. Dann erscheint sie als ein Hybrid- oder ein Metaverfahren. Die Mediation wird jetzt zu einem übergeordneten Prozess.

Diese Form der Verknüpfung wird möglich, wenn der hinter der Mediation ablaufende psychologische Erkenntnisprozess in den Vordergrund gestellt wird. Dann mag die Mediation als das Schema eines Verfahrens verstanden werden, das eine vollständige, alle Seiten befriedigende Konfliktlösung ermöglicht.

metaverfahren

Das Schema verdeutlicht das Prinzip. Die Mediation bildet den Maßstab. Sie zeigt, was nötig ist, um einen Konsens herbeizuführen. Gemessen daran lässt sich für die anderen Verfahren feststellen, welche Schritte und Elemente fehlen. Anstatt die Verfahren zu wiederholen oder wie bei hoch eskalierten Konflikten üblich in eine Endlosschleife zu überführen, bietet es sich an, die Mediation als einen übergeordneten Steuerungsprozess zu betrachten, der Redundanzen vermeidet.

 

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