5 Mio EUR für Kreditmediator

Geld und Mediation

Professionalität ohne Ausbildung?

Zum 1. März 2010 hat die Bundesregierung (Wirtschaftsminister Brüderle) einen “Kreditmediator für Deutschland” in Form einer GmbH installiert. Für ihn und sein aus 8 Personen bestehendes Team sind 5 Mio EUR für 2 Jahre als Vergütung und zur Begleichung der Bürokosten vorgesehen. Honorare, von denen die Mehrheit aller bundesdeutschen Mediatoren wahrscheinlich träumen werden, zumal diese Gehälter gezahlt werden dürften, ob nun ein Fall mediativ gelöst wird oder nicht bzw. ob überhaupt ein Fall behandelt wird.

Ungeachtet dieser Auffälligkeit mag die Idee “Kreditmediator” auf dem ersten Blick bestechend wirken, gäbe es nicht einen auffälligen Makel an der ganzen Angelegenheit.

Gemäß den veröffentlichten Angaben auf der Homepage http://www.kreditmediator-deutschland.de hat weder der Kreditmediator für Deutschland, Herr Metternich, noch sein Team eine Ausbildung im Sinne des europ. Verhaltenskodex für Mediatoren bzw. des BMWA oder DACH bzw. IM oder eine andere zur Mediation befähigende Ausbildung / Zertifizierung durchlaufen. Gleiches gilt übrigens ebenfalls für die bereits früher installierten Thüringer Kreditmediatoren (http://www.thueringer-kreditmediator.de/). Auch die unter http://www.kreditmediator-deutschland.de/assets/Uploads/geplanter-ablauf-kreditmediationsverfahren.pdf (Stand: 27.02.2010) offizielle Darstellung des Ablaufes einer Kreditmediation erweckt m. E. für Außenstehende eher den Eindruck, dass es sich um eine Schlichtungsstelle handelt – auch wenn formal korrekt vermerkt ist, dass der Kreditmediator Deutschland keine Entscheidung trifft.

Bei einer schnellen Suche via Google habe ich bislang nur eine Stellungsnahme des Deutschen Forum für Mediation (DFfM) zu dem Sachverhalt gefunden. Das DFfM hat eine positive Note an BM Brüderle gesandt und spricht sich für ein Netzwerk regionaler Wirtschaftsmediatoren aus. Leider wird in dem Text m.E. nicht auf die Notwendigkeit einer Qualifikation für Kreditmediatoren generell im Sinne von “Wirtschaftsmediator” abgestellt. Die ganze Stellunsnahme liest sich insgesamt eher wie eine unterwürfige Grußnote.

Festzuhalten bleibt sicherlich: Einerseits wird durch den “Kreditmediator” das Thema Mediation bundesweit bekannt gemacht, aber andererseits kann noch mehr Schaden und ein falscher Eindruck in der Bevölkerung und insbesondere bei den Mittelstandsunternehmen in dem Sinne entstehen, dass es sich bei “Mediation” nur um einen anderen Namen für eine neue Art von “Schlichtungsstelle” handelt.

Ich hoffe, dass hier seitens der großen Mediationsverbände noch eine gemeinsame Klarstellung erfolgt.

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Über Viktor Beyfuß

Diplom-Theologe & Soziologe, Coach (DPA), ProPosition©-Employability Coach, Global Remuneration Professional (GRP®) der World at Work Association, Mediator. Ich bin bislang in den Bereichen Personalberatung, Performance Management, Karriere- und Employability-Coaching, Wirtschaftsmediation sowie der Motivations-, Incentive- und Gehaltsstrukturierung tätig. Schwerpunktmäßig arbeitete ich bisher u. a. in folgenden Branchen: Banken, Versicherungen, Chemie, Spezialchemie, Bergbau. Durch meine Erfahrungen im Umfeld von Theologie, Coaching und Mediation sowie durch meine vielfältigen Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern wurde das Thema Mediation für mich eine hilfreiche Methode zur Konfliktlösung.
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4 Antworten auf 5 Mio EUR für Kreditmediator

  1. avatar Dr. Dieter Kostka sagt:

    Ich kann nach der Lektüre der Internet-Seiten des sogenannten “Bundes-Kreditmediators” nicht im Ansatz erkennen, wo da Mediation sein soll. Wenn ich lese, wie der nach eigener Darstellung arbeitet, graust es mir, und “draußen” merkt es anscheinend keiner. Es gibt ja bei der ganzen “Kreditmediation” noch nicht einmal richtige Konflikte; da wäre Mediation also sowieso mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Natürlich ist es doof, wenn ein kleiner Unternehmer bei seiner Bank kein Geld kriegt – aber bevor er nicht vor Verzweiflung dem Bankier physisch an die Gurgel geht, hat DER doch allenfalls ein kleines Problem, aber gewiss keinen Konflikt, und das kann er locker aussitzen und muss sich gar nicht zu einer wie auch immer gearteten “Mediation” herablassen.

    Dafür hat sich aber gleich wieder ein neues Clübchen gegründet, nämlich ein “Bundesverband der Kreditmediatoren”, dessen Ziel es vor allem ist, “verbindliche Normen in der Kreditmediation zu erarbeiten”. O-Ton: “für das noch junge Berufsfeld der Kreditmediation gibt es bislang nur wenige Standards und Regeln, die den komplexen Prozess der Vermittlung zwischen Unternehmern und Kreditgebern definieren. Für diese spezifische Form der Mediation reicht reines Verfahrens-Know-how kaum aus. Hierfür ist grundlegendes und praxisbezogenes Wissen aus der Unternehmensführung und der Finanzwirtschaft gefragt.” – Hört, hört!

    Im Klartext heißt das nämlich, dass in diesem Anwendungsfeld niemand, auch kein noch so erfahrener Mediator, etwas zu suchen hat, wenn er nicht aus der (privatwirtschaftlichen) Unternehmensführung oder Finanzwirtschaft stammt – womit die Inzucht des modernen Geldadels wieder perfekt wäre. Einstein erkannte dagegen in bestechender Logik, dass man Probleme eben grundsätzlich nicht mit denselben Mitteln lösen kann, durch die sie entstanden sind, und ich füge hinzu: Und schon gar nicht mit denselben Leuten! – Von den großen Mediationsverbänden ist da aber wohl leider auch nicht viel Besseres zu erwarten; das DFfM z.B. ist teilweise selbst auch personell mit verstrickt, und bei den anderen wird es nicht viel anders sein.

    Inwiefern nun die Mitglieder dieses neuen Verbandes vielleicht trotzdem eine Ahnung von Mediation im Sinne guter, selbstbestimmter Konfliktbewältigung haben, kann ich bislang nicht beurteilen. Das brauchen und sollen sie aber im Zweifel vielleicht auch gar nicht, denn diese “Kreditmediation” ist ein politisches Thema, mit dem sich trefflich von der konsequenten Austeritäts-, Deflations- und Reichenförderungspolitik ablenken lässt, mit der die derzeitige Bundesregierung selbst die USA neben sich alt aussehen lässt und sich den Zorn halb Europas auflädt. Aber immerhin ist das ja wenigstens eine schöne steuerzahlerfinanzierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme fürs “Vetterle” vom Brüderle, dessen geschichtsträchtiger Nachname hoffentlich kein Omen für unsere real existierende Post-Demokratur ist… Und die mittelständischen Unternehmer, die wirklich in der Geldklemme sitzen, werden kuschelweich auf einen sündhaft teuren Wunderheiler, sozusagen einen quasi-beamteten Bankenbequatscher, hin vertröstet anstatt, wie es in der Mediation angelegt wäre, die Lösung ihrer Probleme selbst in die Hand zu nehmen… – Deutschland, wie tief bist du gesunken!

  2. Pingback: Kreditvergleich.net

  3. Ich kann René nur zustimmen. Die Begriffe werden je nach Kontext willkürlich gebraucht. Mal als Obergegriff, für alles und jedes, mal als Worthülse.
    Ich schlage vor auf der Wikipediaseite von Integrierte Mediation eine Begriffsklärung zu thematisieren.

    Zur “Wut” über die traumhafte Entlohnung schlage ich einen Perspektivwechsel vor:

    a) offensichtlich ist in den öffentlichen Kassen doch noch mehr von unserem Geld vorhanden, als man vermutet,
    b) die Bedeutung der Streitschlichtung, des Vermittelns wird nicht in Frage gestellt,
    c) der erhoffte oder erwünschte Erfolg wird als bedeutsam angesehen.

    Deshalb drehen wir das Ganze um und argumentieren: Wunderbar, Problem erkannt, das Geld ist gut angelegt. Streitbeilegung und die Vermittlung sind viel wert, denn was man bekommt ist ein Multifunktionspaket aus: Fachwissen, Psychologie, Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis, strukturellem Denken, Lebenserfahrung und Problemanalyse.

    Diese notwendige Leistung kann aber nicht jeder erbringen, bloß weil das “Suffix” -mediator angehängt wird.
    Deshalb: das Honorar ist angemessen, gut angelegt, aber es geht an die FALSCHEN.

    Mit dieser “Ummünzungsaktion” etabliert man zugleich einen hohen Vergütungsstandard, dessen man sich dann auch selbst, zumindest argumentativ, bedienen kann.

  4. avatar René sagt:

    Eine Klarstellung seitens der Mediationsverbände ist hier meines Erachtens notwendig. Der Begriff “Mediator” ist zum allgemeinen Sprachgebrauch geworden und wird oft zweckentfremdet. Hier handelt es sich gemäss heutiger Homepage um einen eigentlichen “Kredit-Ombudsmann” ohne Entscheidbefugnisse und nicht um einen Mediator.

    Auch in der Schweiz wird der Begriff “Mediator” immer wieder falsch verwendet. So nennen sich heute viele Bürger-Ansprechstellen von Kantonen neuerdings “Mediationsstelle” anstelle von “Ombudsmann”. Auch diese Stellen sind aber keine Mediationsstellen, sondern Vermittler mit der Aufgabe, eine ungerechte Behandlung zu verhindern.

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